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Full text of "Galerie Miethke, März-April 1907"

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GALERIE  MIETHKE 
MÄRZ'APRIL  1907 


 b....  

GALERIE  MIETHKE 
MÄRZ-APRIL  1907 


OHWALA'S  DRUCK,  WIEN 


VII.  WESTBAHN9TRAS8C  t 


Herrn  Dr.  Rudolf  Adal, 
bert  MEYER  und  Herrn 
Alfred  REICHERT  in 
Paris  sprechen  wir  für  die 
tatkräftige  Förderung  dieser 
Ausstellung  unseren  wärm^ 
□      sten  Dank  aus.  □ 


PAUL  GAUGUIN. 


Seltsame  Gestalten,  unheimliche  Gespenster  huschen  durch  eine  ge,/ 
heimnisvolle  Nacht,  indes  der  Schläfer  sich  unruhig  und  gequält 
hin^  und  herwirft.  Am  nächsten  Morgen  ist  der  Traum  verflogen,  wir 
reiben  uns  die  Augen  und  sehen  dem  klaren,  logischen  Licht  des  Tages 
entgegen.  Klar  und  logisch  verläuft  der  Tag,  eine  Tätigkeit  entwickelt 
sich  gesetzmäßig  aus  der  andern.  So  bauen  wir  Stunden,  Tage,  Jahre 
konsequent  und  sicher  auf;  und  nur  dann  und  wann  durchzuckt  uns 
ein  Gedanke  an  die  großen  Schatten  jener  Nacht.  Doch  wir  wollen 
nicht  an  sie  glauben,  wir  erkennen  keinen  Herrn  über  uns,  haben  wir 
doch  unser  Leben  selber  gebaut  und  in  sich  gefestigt.  Wir  glauben, 
daß  wir  bis  an  unserer  Tage  Ende  eine  schnurgerade,  glatte  Bahn  vor 
uns  haben.  Da  auf  einmal  taucht  eine  der  Schattengestalten,  die  wir 
damals  in  dunkler  Nacht  gesehen,  wieder  vor  uns  auf.  Ihre  Stimme 
weckt  Widerhall  in  unserem  Herzen,  eine  unendliche  Sehnsucht 
erfüllt  uns,  über  die  wohlgeordnete,  platte  Alltäglichkeit  hinaus" 
zudringen  und  die  Tiefen  des  Daseins  zu  erforschen.  Immer  mächtiger 
wird  die  Stimme,  Kräfte,  die  wir  in  unserem  Innern  längst  ent^ 
schlummert  wähnten,  erweckt  sie;  immer  reicher  und  glückspendender 
wird  dieser  Trieb,  von  dem  wir  doch  zugleich  wissen,  daß  er  uns  dem 


Abgrunde  näher  bringt.  Wir  kehren  uns  von  dem  materiellen,  sicheren 
Glück  ab  und  folgen  zuerst  tastend,  dann  immer  leidenschaftlicher  den 
Chimären,  die  einstmals  in  unserer  halbunbewußten  Kindheit  ihre 
strengen  Häupter  über  unsere  Wiege  gebeugt  hatten.  Führen  sie  uns 
ins  Glück  oder  Unglück?  Wir  wissen  es  nicht,  wir  müssen  nur  folgen. 

□  Das  ist  eine  Legende,  die  man  den  seltsamen  Holzschnitten  Paul 
Gauguins  beiheften  könnte,  die  er  in  Tahiti  mit  kunstfertiger  Hand 
preßte.  Das  ist  das  Bild  eines  Schicksals,  das  sich  in  Gauguins  Leben 
verwirklichte.  □ 
Q  Es  war  einmal  ein  Bankbeamter,  der  im  Hause  Bertin,  rue  Laffitte 
zu  Paris  angestellt  war.  Er  unternahm  auch  auf  eigene  Rechnung  Ge* 
Schäftsoperationen  und  das  Glück  lächelte  ihm.  Er  gewann  Tausende. 
Er  war  glücklich  verheiratet  und  hatte  Kinder.  Er  bewohnte  ein  üppig 
eingerichtetes  Häuschen  in  der  Vorstadt  und  man  speiste  bei  ihm  auf 
Silbergeschirr,  Sein  Leben  schien  für  immer  gefestigt,  sein  Vermögen 
mußte  stets  wachsen,  die  äußeren  Ehren  konnten  nicht  ausbleiben  und 
vielleicht  hätte  er  seine  Tage  als  Ritter  der  Ehrenlegion  und  als  Pariser 
IVIunizipalrat  beschlossen,  wie  der  frühere  Bewohner  seines  Hauses. 
Alles  war  klar,  sonnig,  heiter.  □ 

□  Doch  die  Gestalten,  die  seine  Jugend  beschattet  hatten,  sie  kamen 
wieder.  In  Paul  Gauguins  Adern  —  denn  niemand  anders  als  er  ist 
der  glückliche  Börsenmann  —  rollte  unruhiges  Blut.  Seine  Eltern 
hatten  die  Zeit  von  1848  miterlebt.  Der  Vater  kämpfte  als  Journalist 
gegen  die  Bourgeois  der  Julimonarchie  und  verließ  sein  Vaterland,  als 
der  Staatsstreich  von  1851  die  junge  Freiheit  gemordet  hatte.  In  dem 
Herzen  seiner  Mutter  lebten  die  phantastischen  Bilder  und  Gestalten 
ihrer  peruanischen  Heimat  und  die  Erinnerung  an  ihre  Mutter,  Flora 
Tristan,  die  einst  in  dem  Zukunftsstaat  der  Saint  Simonisten  durch 
ihre  Person  und  ihre  Schriften  eine  große  Rolle  gespielt  hatte.  Das 
war  eine  Abstammung,  die  nicht  zum  Bankbeamten  bestimmte.  Schon 


in  früher  Kindheit  hatten  die  Instinkte,  die  Gauguin  von  seinen  Eltern 
ererbt  hatte,  durch  einen  mehrjährigen  Aufenthalt  seiner  Mutter  in 
Lima  Nahrung  gefunden.  Dort  lernte  der  Knabe  die  tropische  Welt, 
die  phantastischen  Überlieferungen  und  Märchen  des  alten  Goldlandes 
Peru  kennen,  erhielt  Eindrücke,  die  durch  die  altperuanischen  Geräte 
und  Silberfiguren  stets  wach  gehalten  wurden,  die  seine  Mutter  sorgsam 
bewahrte.  Dieser  ursprüngliche,  halbbarbarische  Zug  im  Wesen  Gauguins 
ist  in  seinem  Charakter  immer  wieder  hervorgetreten  und  macht  einen 
Teil  seiner  Stärke  aus.  Dieser  Zug  zum  Phantastischen  trieb  den 
jungen  Mann  auf  die  See  hinaus.  Auf  einem  Schiffe  der  französischen 
Handelsmarine  gelangte  er  abenteuernd  wieder  nach  Südamerika,  nach 
Rio  de  Janeiro.  Doch  die  Vernunft  siegte  und  er  trat  1871  bei  Bertin 
ein,  wo  seine  glänzenden  Erfolge  ihn  bald  mit  Gold  überschütteten. 
So  war  er  auf  dem  besten  Wege,  in  die  Kaste  der  reichen  Bourgeois 
einzutreten,  die  sein  Vater  als  Mitarbeiter  des  „National"  bekämpft 
hatte.  Er  begann  sogar,  Bilder  zu  kaufen  und  besaß  bald  eine  stattliche 
Galerie,  in  der  Manet,  Renoir,  Claude,  Monet,  Cezanne,  Pissarro, 
Guillaumin  und  Daumier  vertreten  waren.  Diese  Namen  müssen  be' 
denklich  stimmen:  ein  Finanzmann,  der  zugleich  Amateur  war,  kaufte 
damals  höchstens  Corot  und  die  Schule  von  Barbizon,  Meissonier 
nicht  zu  vergessen.  Mit  der  Zeit  begann  Gauguin,  an  der  Malerei 
solchen  Gefallen  zu  finden,  daß  er  selber  Pinsel  und  Palette  zur  Hand 
nahm.  Zuerst  schüchterne  Versuche:  grau,  unbedeutend  und  tonig  ge^ 
malt.  Dann  näherte  er  sich  den  Impressionisten  und  malte  in  reinen 
Farben  Landschaften  aus  der  Umgebung  von  Paris,  tüchtige  Bilder, 
die  auf  den  verschiedenen  Ausstellungen  der  Impressionisten,  in  der 
rue  des  Pyramides,  und  bei  Nadar,  gleich  den  anderen  ausgestellten 
Werken  von  dem  Gros  der  Kunstkritik  bespöttelt  und  nur  von  wenigen 
fortschrittlich  gesinnten  Kritikern,  wie  Feneon,  Huysmans  und  Duret 
gewürdigt  wurden.  Er  geriet  immer  tiefer  in  die  Malerei,  und  je  mehr 


er  lernte,  um  so  weitere  Horizonte  erschlossen  sich  ihm.  Das  war  j 
etwas  anderes,  als  täglich  von  Mittag  bis  zwei  Uhr  unter  den  Kolon/  j 
naden  der  Pariser  Börse  Aktien  zu  handeln.  □  i 

□  Die  Werke  aus  jener  Zeit  verraten,  daß  Gauguin  zuerst  Pissarro  i 
nacheiferte.  Wie  alle  Impressionisten  hat  er  das  Schwarz,  Braun  und  : 
Grau  von  seiner  Palette  verbannt  und  arbeitete  nur  mit  hellen,  frischen  ! 
Farben,  die  er  höchstens  mit  ihren  spektralen  Nachbarn  gemischt  auf  j 
die  Leinwand  setzte.  □  i 

□  Man  hat  die  Impressionisten,  die  durch  gemeinsame  Oppositions^  j 
Stellung  zusammengedrängt  worden  waren,  viel  zu  sehr  als  eine  Schule  j 
aufgefaßt.  In  Wirklichkeit  vereinen  sie  die  verschiedenartigsten  Bc  j 
strebungen.  Manet  sucht  „moderne"  Sujets  auf,  die  er  ohne  anek^  j 
dotisches  Beiwerk  wiedergeben  will,  erst  sehr  spät  fängt  er  an,  plehv  j 
air  zu  malen.  Monet  und  Pissarro  sind  jeder  auf  seine  Weise  zur  j 
exakten  Beobachtung  des  Lichtes  in  der  Natur  gekommen,  Renoir  j 
wendet  dieselben  Gesetze  auf  den  Menschen  an  und  gelangt  so  zu  | 
einer  unerhört  intimen  Auffassung  der  Menschen  seiner  Zeit;  in  dem  » 
Kreise  dieser  Künstler  lebte  endlich  ein  Künstler,  der  in  den  Kampf*  \ 
Zeiten  des  Impressionismus  am  meisten  geschmäht  wurde,  aber  von  • 
kommenden  Geschlechtern  vielleicht  am  höchsten  bewertet  werden  ; 
wird:  Cezanne.  Er  ist  einer  der  großen  Befruchter  der  Kunst.  Die  ' 
alten  Meister  sind  seine  Lehrer  gewesen;  nicht  um  zu  malen  wie  Tizian,  J 
Tintoretto  oder  der  Greco,  studierte  er  sie,  sondern  um  die  geheimen  » 
Gesetze  des  Helldunkels  und  der  Farbenkontraste  zu  ergründen.  Cezannes  j 
Kunst  ist  es,  die  Valeurs  der  Erscheinung  in  Farben  zu  übersetzen  • 
und  die  Beziehungen  des  Hell  und  Dunkel,  des  Warm  und  Kalt,  des  ■ 
Vorwärts  und  Rückwärts  durch  fein  abgewogene  Farbenskalen  auszu'  • 
drücken.  Seine  Bilder  stoßen  zuerst  durch  ihre  offenbaren  Zeichenfehler  ; 
ab,  die  jeder  Schulmeister  korrigieren  könnte,  dann  aber  vernehmen  | 
wir  ihren  Wohllaut,  der  nie  zu  erschöpfen  ist.    Auch  Gauguin  ver^  j 


dankt  Cezanne  unendlich  viel.  Besonders  in  seinen  Stilleben  ist  dessen 
Einfluß  unverkennbar  und  Gauguin  hat  ihn  nie  geleugnet.  Gerade  in 
diesen  Stilleben  festigt  sich  zuerst  Gauguins  Stil :  er  lernt  ein  Bild  über 
die  Realität  hinausentwickelt  als  einen  restlos  ausklingenden  Akkord  von 
Farben  und  Linien  hinzusetzen.  Bei  seinen  Aufenthalten  in  der  Bre^ 
tagne  1886  und  in  Martinique  (Antillen)  1887  akzentuiert  sich  dieses 
Bestreben  nach  großen  Farbenmassen,  das  Bestreben,  farbig  vereinfachte 
und  doch  fein  abgestufte  Werke  zu  schaffen.  □ 
□  1888 — 1890  findet  er  in  wiederholten  Aufenthalten  in  Pont^Aven 
in  der  Bretagne  all  die  Elemente,  deren  er  bedurfte,  um  das  große 
Werk  seiner  späteren  Tahitibilder  zu  schaffen.  Sein  Stil  hatte  sich 
mit  der  Zeit  immer  mehr  vereinfacht.  Er  suchte  die  unendlichen  Ein«' 
zelheiten  der  Erscheinung  in  kühnem  Wurf  zusammenzufassen,  indem 
er  zuerst  die  Hauptkontouren  mit  dünnen,  blauen  Strichen  auf  der 
Leinwand  festsetzte,  dann  die  einzelnen  Flächen  mit  den  dominierenden 
Farben  ausfüllte,  um  die  Leinwand  möglichst  schnell  bedeckt  zu  be^ 
kommen;  zuletzt  baute  er  die  einzelnen  Farbengruppen  im  einzelnen 
aus.  Gauguin  scheute  sich  durchaus  nicht,  im  Interesse  der  Harmonie 
des  Ganzen  die  einzelnen  Farbentöne  im  Vergleich  zur  Natur  zu  über^ 
treiben.  Ein  leuchtendes  Gelb,  ein  warmes  Lachsrot  mit  Violett  gc 
paart  begegnet  jetzt  immer  häufiger.  In  Anlehnung  an  die  primitiven 
Meister  wendet  er  sich  von  dem  naturalistischen  Glaubensbekenntnis 
seiner  Pissarro^Periode  vollkommen  ab.  „Wenn  ihr  das  Meer  malen 
wollt,  kehrt  ihm  den  Rücken  zu".  Das  ist  ein  Paradoxon,  das  sagen 
will,  daß  man  nicht  mikroskopisch  genau  sehen  darf,  wenn  man  große 
Einheiten  schaffen  will.  In  der  Bretagne  vertiefte  sich  Gauguin  in  die 
mystischen  Tiefen  der  bretonischen  Volksseele:  der  „gelbe  Christus" 
der  Sammlung  Fayet,  der  Kalvarienberg  der  Sammlung  Fabre  und 
„Jakob  und  der  Engel"  bei  Meilheurat  zeigen,  wie  die  mystischen  Ideen 
Gauguins  Seele  in  jener  Zeit  erfüllten.    Doch  war  für  Gauguin  die 


Mystik  nicht  ein  Träger  ethischer  Ideen,  wie  für  van  Gogh,  sie  regte 
nur  seine  Phantasie  an.  Die  Mystik  erzählte  ihm  Märchen,  denen  er 
eifrig  lauschte,  weil  sie  ihn  in  unbekannte,  geheimnisvolle  Tiefen 
führten.  □ 
□  Aber  das  halb  zivilisierte,  südamerikanische  Blut,  das  Gauguin 
von  seiner  Mutter  hatte,  verleugnete  sich  nicht.  Die  Sehnsucht  nach 
einer  bunten,  sinnlichen,  phantastischen  Welt,  nach  heißer  Sonne  und 
barbarisch  prächtigen  Farben  hat  ihn  im  Häusermeer  von  Paris  nie 
verlassen  und  sie  trieb  ihn  im  Jahre  1891  in  die  Südsee  nach  Tahiti. 
Seine  sich  immer  schwieriger  gestaltende  materielle  Lage  mag  den  Em> 
Schluß  beschleunigt  haben.  Durch  den  Verkauf  von  30  Bildern,  der  im 
ganzen  ungefähr  10.000  Fcs.  einbrachte,  deckte  Gauguin  die  Kosten  der 
Überfahrt  und  der  Einrichtung  in  Tahiti.  Bald  wurde  er  heimisch.  In 
dem  köstlichen  Buche  Noa  —  Noa  hat  Gauguin  selbst  geschildert,  wie 
er  in  dem  Farbenrausche  der  Südsee^Perle  wieder  auflebt,  wie  er  hier 
seinen  Traum  eines  sorglosen,  heiteren,  primitiven  Naturzustandes  ver^ 
wirklicht  fand.  Er  kehrte  den  europäischen  Ansiedlungen  mit  ihren  Zolk 
beamten,  Matrosen,  Soldaten  und  Kaufleuten  sobald  als  möglich  den 
Rücken  und  wandte  sich  in  das  Innere  des  Landes,  wo  er  von  den  Ein' 
geborenen  sehr  bald  wie  einer  der  ihren  behandelt  wurde.  Alle  Fesseln 
der  Kultur,  die  ihm  der  Inbegriff  der  Häßlichkeit  scheint,  fallen  von  ihm 
ab.  Seine  Seele  wird  immer  freier  und  ungebundener,  und  sein  Werk  be^ 
ginnt,  sich  von  all  den  Konventionen  zu  lösen,  denen  er  sich  in  Europa 
nicht  vollkommen  entziehen  konnte.  Seine  Farbenharmonien  werden 
immer  kühner,  zugleich  lernt  er  aber  die  schlanken,  geschmeidigen, 
bronzefarbenen  Körper  der  Maoris  mit  einem  Linienrhytmus  wiederzu^ 
geben,  in  dem  eine  schlichte,  klassische  Größe  wohnt.  Die  Sammlungen 
Fayet  und  Sainsere  in  Paris,  sowie  die  des  Grafen  Kessler  bergen  die 
bedeutendsten  Werke  dieser  Periode.  Zugleich  dringt  Gauguin  immer 
tiefer  in  die  barbarischen  und  geheimnisvollen  Überlieferungen  der 


10 


Maoris  ein:  seine  Holzschnitte,  die  köstlichen,  illuminierten  Manuskripte 
aus  jener  Zeit,  vor  allem  das  von  Noa^-Noa,  sowie  die  primitiv  grandiosen 
Holzskulpturen  bezeugen  dies.  D 
O  Gauguin  hatte  das  Bewußtsein,  eine  neue,  reiche  Welt  erobert,  einen 
neuen,  künstlerischen  Stil  gefunden  zu  haben.  Stolz  kehrte  er  1893  aus 
Tahiti  zurück.  Bei  Durand^Ruel  stellte  er  46  Werke  aus,  die  Frucht 
seines  Aufenthaltes  in  der  Südsee.  Doch  fand  seine  neue  Kunst  kein 
Verständnis,  Der  materielle  Erfolg  war  ebenfalls  nicht  der  Rede  wert. 
Gauguin  mußte  erkennen,  daß  für  ihn  in  Europa  so  bald  nichts  zu 
hoffen  sein  werde.  So  ließ  er  1895  nach  einer  Zeit  voller  Mühsale,  Ent^ 
täuschungen  und  Entbehrungen  seine  in  Paris  befindlichen  Bilder  versteif 
gern  und  wandte  sich  wieder  nach  Tahiti.  Doch  auch  hier  fand  er 
keine  Ruhe,  da  sein  reizbarer  Charakter  ihn  von  einer  Verwicklung 
mit  den  Behörden  in  die  andere  führte,  1901  siedelte  er  nach  Uomu 
nique,  der  größten  der  Marquesas^Inseln,  über,  wo  er  in  tiefster  Zurück' 
gezogenheit  und  leider  auch  in  immer  größerer  Bedrängnis  lebte.  Die 
einzigen  Lebenszeichen,  die  von  ihm  nach  Europa  drangen,  waren  die 
Sendungen  von  Gemälden  und  die  köstlichen  Manuskripte,  in  denen 
er  eine  Fülle  tiefer  und  großer  Eindrücke  niedergelegt  hat.  Er  wurde 
in  Paris  zur  Legende.  Und  als  er  1903  in  großem  Elend  einer  Kranke 
heit  erlag,  die  ihn  schon  lange  gequält  hatte,  waren  es  nur  wenige 
getreue  Freunde,  die  den  Verlust,  den  die  Kunst  in  diesem  Augen«* 
blick  erlitt,  zu  würdigen  wußten.  O 
□  Unaufhörlich  ist  seither  der  Ruhm  seines  Lebenswerkes  gewachsen 
und  heute  ist  uns  Gauguin  einer  der  großen  Künstler,  die  uns  geholfen 
haben,  aus  dem  Impressionismus  die  Elemente  einer  neuen  monumcn/ 
talen  Kunst  zu  entwickeln.  Wir  bewundern  die  klassische  Linie  und 
die  großzügige  Auffassung  in  seinen  Zeichnungen  und  Bildern  aus  der 
Tahitis  Periode.  Er  ist  einer  der  Künstler,  die  uns  den  Reiz  primitiver 
schlichter  Kunst  wieder  erschlossen  haben.  Man  hat  Gauguin  des  ExO' 


ii 


tismus  und  des  Snobismus  angeklagt  und  das  taten  zumeist  jene  Leute, 
die  er  mit  einer  recht  tollen  Bizarrerie  erschreckte,  um  ihnen  nichts  von 
den  Schätzen  seines  Innern  offenbaren  zu  müssen.  Wenn  wir  aber  mit 
Liebe  seine  Werke  betrachten  und  seine  Schriften  lesen,  so  strömt  das 
warme  und  große  Gefühl  dieser  reichen  Künstlerseele  in  uns  über.  Wir 
verstehen,  warum  Paul  Gauguins  reiches  Lebenswerk  sich  so  gestalten 
mußte,  wie  es  gewachsen  ist.  O 


Paris,  März  1907. 


RUDOLF  ADALBERT  MEYER. 


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□ 


□ 


PAUL  GAUGUIN 
1848  1903 


HOLZSKULPTUREN 

1  EVA  UND  DIE  SCHLANGE 

2  NEGERIN  MIT  FÄCHER 

3  HOLZSKULPTUR 

4  HOLZSKULPTUR 

5  UNTER  TIEREN 

6  »SOYEZ  AMOUREUSES 
VOUS  SEREZ  HEUREUSES< 


St.  Dominique 
Tahiti 

St.  Dominique 
Tahiti 


□  □ 
VERKÄUFL. 


PRIVATE. 


KERAMIK 

7  VASE,  GAUGUIN  Pont  Aven 

8  VASE,  WEIBLICHER  KOPF 

9  SELBSTPORTRÄT  Tahiti 

10   BLUMENTOPF  Pont  Aven 


□  □ 
VERKÄUFL, 


□ 


□ 


PASTELLE. ZEICHNUNGEN .  LITHOGRAPHIEN- HOLZSCHNITTE 


St.  Dominique 
Pont  Avcn 


11  JUNGES  MADCHEN  Tahiti 

12  MÄDCHENPORTRÄT    Pont  Aven 
18  JUNGE  LEUTE 

14  WÄSCHE 

15  4  HOLZSCHNITTE 
FARBIG 

16  BADENDER  JUNGE 

17  BÄUERINNEN 

18  REITERIN 

19  MÄDCHEN  M.  SCHWAN 

20  MÄDCHEN,  REITEND 

21  GÖTZENBILD 

22  IM  GEHÖLZ 

23  LIEGENDER  AKT 

24  FAMILIE 

25  PORTRÄT  U.  STILLEBEN  Tahiti 

26  NACHTSTUDIE  Pont  Aven 

27  NACHTSTUDIE 

28  PORTRÄT  EINES 
JUNGEN  MANNES 

29  MENSCHEN  U.  TIERE 

30  ENTWURF  FÜR  EIN 
SCHÜSSELDEKOR  Pont  Aven 

31  JUNGES  MÄDCHEN  Tahiti 


Pastell  PRIVATB. 

VERKÄUFL. 
Lithographie  PRIVATB. 


Holzschn. 
Lithogr. 


VERKÄUFL, 


St.  Dominique  Tuschz.  VERKÄUFL. 
Tahiti  färb.  Lithgr.    *  » 

*  Holzschn.  »  » 
»  »  »  » 

St.  Dominique  Radierg.         >  » 

*  Aquatinta       »  * 


Radierung 
> 

Lithogr. 


Pastell 

St.  Dominique  Holzschn. 


Pastell 


PRIVATB. 


VERKÄUFL. 


PRIVATB. 


□ 


□ 


ÖLGEMÄLDE 


□  □ 


32  LANDSCHAFT 

33  ERNTE 

34  LANDSCHAFT 

35  HUNDE  UND  FRÜCHTE 

36  OCHSEN 

37  GEBURT  DES  HEILAND 

38  SELBSTPORTRÄT 

39  BLUMEN  U.  FRÜCHTE 

40  LANDSCHAFT 

41  »NA  VE  NA  VE  MAHANA« 

42  LANDSCHAFT 

43  LANDSCHAFTSSTUDIE 

44  DÄMMERUNG 

45  MISERES  HUMAINES 

46  TOILETTE 

47  DORF 

48  BANANEN 

49  »NO  TE  AHA  SE  RIRI« 

50  L'ABREUVOIR 

51  TEHUA  COUCHEE 

52  L'APPEL 

53  ORLEANDER'HAIN 

54  JUNGES  PAAR 

55  LANDSCHAFT 

56  LANDSCHAFT 


Pont  Avcn 


VERKÄUFL. 


Tahiti 
» 

St.  Dominique 
Tahiti 

St.  Dominique 
Martinique 
Tahiti 
Pont  Aven 

» 

Tahiti 

» 

St.  Dominique 
> 

Tahiti 

St.  Dominique 


Pont  Aven 

Bretagne 

Arles 


PRIVATE.  PARIS 


VERKÄUFL. 


PRIVATB.  PARIS 
»  » 
VERKÄUFL. 
PRIVATB.  WEIMAR 
VERKÄUFL. 


PRIVATB.  BERLIN 


VERKÄUFL. 


57  DIE  RELIGIÖSEN 

58  DIE  GESCHWISTER 

59  BLUMEN  UND  KATZEN 

60  HEILIGE  FAMILIE 

61  PALMEN 

62  AM  STRANDE 

63  HAERE  TAPE 

64  FAM.  SCHUFFENEKER 

65  MELANCHOLIE 

66  MISERE  HUMAINE 

67  STRANDARBEIT 

68  PORTRAIT 

69  LANDSCHAFT 

70  STILLEBEN  U.  PORTAIT 

71  AN  DER  KÜSTE 

72  LANDSCHAFT 


Tahiti  VERKÄUFL. 
St.  Dominique    PRIVATB.  NOYON 

BEI  PARIS 

Tahiti  VERKÄUFL. 

PRIVATB.  BERLIN 
VERKÄUFL. 
Pont  Aven  FOLKWANGMUSEUM 

HAGEN 

St.  Dominique  VERKÄUFL. 
Pont  Aven  *  » 

Tahiti  »  » 

Pont  Aven  »  » 

Pont  Aven  FOLKWANGMUSEUM 

HAGEN 
VERKÄUFL. 


□ 


□ 


JEAN  PUY 


73  BEIM  FENSTER 

74  AKT 

75  BOUQUET 

76  SOMMER 

77  KÜNSTLERPORTRAIT 

78  AKT 

79  STILLEBEN 


VERKÄUFLICH 

»  » 


□ 


□ 


|                   MAXIMILIAN  LUCE 

i  80 

PARIS 

VERKÄUFLICH 

:  8i 

AN  DER  SEINE 

:  82 

DÜNE 

n             *  j 

i  83 

FELDARBEIT 

»             »  " 

i  84 

AUS  PARIS 

:  85 

BOIS  LE  ROI 

»             »  • 

:  86 

RUHE  NACH  DEM  STURM 

>  > 

:  87 

REGEN 

i  88 

STUDIE 

*             »  • 

j  89 

HALBAKT 

I  □ 

□  j 

20 


1839  PAUL  CEZANNE  1906 


90  LANDSCHAFT  VERKÄUFLICH 

91  STILLEBEN 

92  DORF  AM  MEER 

93  PORTRAIT  »  » 

94  STILLEBEN'BUFFET 

95  STILLEBEN  »  » 


□  □ 


I                    MAURICE  DENIS 

I       96  MUTTERGLÜCK 
:       97  DIE  WEINLAUBE 
:       98  POLYPH&ME 

VERKÄUFLICH 

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EMILE  BERNARD 

■  99  WASSERTRÄGERINNEN 

■  100  WASSERTRÄGERINNEN 
j     101  VOR  DER  KIRCHE 

•  102  MOULIN  ROUGE 

•  103  SELBSTBILDNIS 

VERKÄUFLICH 

»       »  ■ 
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22 


LOUIS  VALTAT  j 

:  104 

PORTRAIT 

VERKÄUFLICH  j 

:  105 

GARTEN 

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:  106 

MARINE 

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:  107 

GARTEN 

j  108 

MARINE 

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FELSEN 

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AN  DER  KÜSTE 

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□  : 

23 


THEO  VAN  RYSSELBERGHE 


112  AKTSTUDIE  VERKÄUFLICH 

113  AKTSTUDIE 

114  AKTSTUDIE 

115  AKTSTUDIE 

116  PORTRAITSTUDIE 

117  EIDAM 


PAUL  SIGNAC 


118-121  RADIERUNGEN 


PAUL  MARQUET 


122—130  ZEICHNUNGEN  VERKÄUFLICH 


HENRI  M  ATI  SSE 


131—135  ZEICHNUNGEN  VERKÄUFLICH 


GEORGES  SEURAT 


136  CAFß'KONZERT  VERKÄUFLICH 

137  BEI  DER  ARBEIT